Die W-Fragen

Die W-Fragen sind eine Methode zur gezielten Problemlösung. Auf dieser Seite stelle ich sie dir vor.

Eigentlich alles super, oder?

Kennst du das auch?
Da geht es dir eigentlich richtig gut, es läuft alles eigentlich genau so, wie es soll, und im Grunde hast du keinen Grund zur Klage.
Und dennoch: irgendwie ist da was. Du fühlst dich seltsam, irgendwie nicht rund. Aber du hast keine Ahnung, was das ist.

Der! Die! Das!
Wer? Wie? Was?
Wieso? Weshalb? Warum?

Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antwort

Ja, die gute alte Sesamstraße und das (deutsche) Titellied dazu. Es soll Kinder ja dazu animieren, neugierig zu sein und Fragen zu stellen, um nicht „dumm“ zu bleiben, wie es im Original heißt. Ich habe den letzen Teil mal ein wenig abgewandelt, und das nicht ohne Grund.

Denn wir Erwachsene vergessen manchmal, Fragen zu stellen, Dinge zu hinterfragen, stattdessen nehmen wir oft einfach alles als gegeben hin (auch, weil’s so bequem ist). Das gilt aber auch besonders dann,  wenn wir da stehen und nicht weiter wissen.

Oder aber wir stellen uns die falschen Fragen, jene dieser klassischen Fragen, die kontraproduktiv sind, ja genau eben jene, die uns zum Opfer machen statt zum Gestalter unseres eigenen Lebens.

Kontraproduktive Fragen

Wieso passiert immer mir das?
Kann nicht mal einfach alles so laufen, wie ich das will?
Warum muss der Idiot gerade jetzt seinen Rasen mähen, wenn ich schlafen will?

Und ähnliches. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor, nicht wahr?

Oder wir stellen uns bestimmte Fragen erst gar nicht, weil wir Schiss vor der Antwort haben, Angst davor, auf eine unangenehme Wahrheit zu stoßen.

Doch das hilft nicht weiter.

Denn all jene Fragen, die uns selbst aus der Verantwortung nehmen, uns selbst in die Opferrolle drängen, sind nur dazu da, uns in die Irre zu führen und ganz weit weg von uns und dem, was wir wirklich wollen. Das jedenfalls ist meine Erfahrung.

Es geht also auf dieser Seite darum, genau die Fragen zu finden, die einen wirklich voran bringen. Fragen, die weiter gehen, eben nicht nur bis an den Rand der jeweiligen Komfort-Zone, sondern auch darüber hinaus.
Also um genau die Fragen, die in die Tiefe führen, um jene Fragen, die dazu anregen, sich nicht nur oberflächlich, also nicht nur „mal eben schnell“, mit dem eigentlichen Thema zu befassen, sondern intensiv, ehrlich, sowie konstruktiv und zielführend, wie man so schön sagt.

Hilfreich und Gut: Die W-Fragen

Im täglichen Allerlei stellen wir uns meist von ganz alleine die Fragen, die uns voran bringen, das funktioniert fast schon automatisch. Mir geht das jedenfalls so, wie ich festgestellt habe.

Zum Beispiel: Was koche ich denn heute schönes? Und die Antwort lässt dann meist auch nicht lange auf sich warten. Oder, um beim Beispiel Kochen zu bleiben, man holt sich, wenn man keine Ahnung hat, ein Kochbuch heraus, stöbert im Internet, fragt Mutti oder Freundin, oder lässt sich anderweitig inspirieren. Oder man fragt sich selbst, worauf man denn eigentlich Lust hat.

Doch geht es einmal nicht um solche „kleinen“ Dinge, helfen die W-Fragen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den „großen“ Dingen auf die Spur zu kommen. Und sie führen uns zum Ziel, wobei es egal ist, wie das letztendlich aussieht.

 W-Fragen sind zum Beispiel:

Wer?
Wie?
Was?
Wieso?
Weshalb?
Warum?
Wann?
Woran?
Worauf?
Welche?
Wessen?
Wofür?
Wo?

Kommen sie dir bekannt vor, diese W-Fragen?

Richtig, sechs davon stehen schon in der Überschrift zum zweiten Abschnitt  😉 . Ist es nicht interessant, dass die gleichen „Kinderfragen“ auch uns Erwachsenen helfen können?

Ach, du fragst dich gerade, wie dir die W-Fragen helfen können, ein Problem zu lösen? Prima, dann hast du ja bereits deine erste W-Frage gestellt!  🙂

Eigentlich ganz einfach

Der Trick bei der Sache ist einfach: Mit einer W-Frage wird unser Verstand animiert, konkret nach einer Lösung zu suchen. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass der Verstand unbeantwortete Fragen nicht leiden kann und daher nach einer Lösung sucht. Deshalb ist es wichtig, eine direkte, konkrete Frage zu stellen, und das ist genau auch meine Erfahrung,  denn der Verstand braucht eine konkrete Frage, da er sonst im Trüben fischt (frei nach dem Motto: Ja, das könnte so ungefähr passen, grob gesehen…) und Antworten findet, die gar nicht passen, idiotisch sind oder, im schlimmsten Fall, mich völlig in die Irre führen.

Die W-Frage in diesem Fall lautet daher:
Wie muss eine W-Frage lauten, damit der Verstand eine gute, weiterführende Antwort findet?

Beispiel gefällig?

Hier habe ich mal einige W-Fragen aufgeschrieben, die mir gut geholfen haben:

Was ist eigentlich los?
Wie fühlst du dich in diesem Moment?

Wieso fühlst du so?
Wo liegt das Problem?

Weshalb glaubst du das?
Wann begann es?
Woran liegt das?
Warum funktioniert das nicht?
Wie kann ich es ändern?
Wer kann mir helfen?
Worauf kommt es mir wirklich an?
Was würdest du jetzt am liebsten tun? Und Warum tust du das nicht?
Wer sagt das?
Wessen Meinung ist dir wirklich wichtig?
Wieso hörst du auf andere, aber nicht auf deine eigene Stimme?
Wofür würdest du dich entscheiden, wenn du all diese Argumente nicht kennen würdest?
Was sagt dein Herz dazu?
Wessen Idee war das eigentlich?
Wer gibt anderen das Recht, über DEIN Leben zu bestimmen?
Bzw:
Wieso gibst du
anderen das Recht, über dein Leben zu bestimmen?
Wieso glaubst du, die anderen haben Recht, und du nicht?
Welche Argumente, pro und contra, gibt es noch?
Welche Contra-Argumente sind deine eigenen, und welche davon stammen von anderen?

Unzählige Möglichkeiten

Diese Liste ließe sich noch eine zeit lang fortführen, aber ich glaube, ich habe mit diesen Fragen eine ungefähre Vorstellung vermitteln können, wie solche W-Fragen aussehen können. Es hängt eben von der jeweilen Haupt-Fragestellung und dem eigentlichen Problem ab, wie die W-Fragen sich gestalten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, seit wann ich gezielt diese Methode anwende, aber wahrscheinlich ist, dass ich in den letzten 12 Jahren irgendwo darüber gelesen habe bzw. mir das in ähnlicher Form empfohlen wurde, oder aber auch, das ich das schon immer irgendwie gemacht habe. Sicher ist jedoch, dass es mir jedes mal geholfen hat, mir mindestens eine W-Frage zu stellen, wenn ich nicht weiter kam. Und allein eine W-Frage kann schon entscheidend, sprich richtungsweisend sein.

Mit welcher W-Frage anfangen?

Meiner Erfahrung nach ist es am besten, zunächst einmal die Fragen nach dem Ist-Zustand zu stellen, um eine Basis zu erhalten, auf der ich aufbauen kann.
Diese Fragen sehen bei mir dann in etwa so aus:

Was ist eigentlich los?
Wie fühlst du dich?

Wie lange ist das schon so?

Und weiter geht’s

Habe ich erst einmal eine Antwort auf eine dieser Fragen, kann ich mich gezielt weiter fragen, und meistens ergeben sich dann die anschließenden Fragen aus dem entstandenen Kontext. Dabei geht es nicht darum, mich selbst nieder zu machen, sondern ehrlich und offen, gezielt aber schonungslos dem eigentlichen Problem auf den Grund zu kommen, um mich selbst aus dieser Situation heraus zu holen. Das ist besonders dann dringend und notwendig, wenn ich mich selbst seltsam, komisch und irgendwie nicht rund fühle, oder gar verzweifelt bin. Und oftmals hilft schon die Erkenntnis, warum man sich so fühlt, um einen Schritt hinaus und weg von diesem Zustand zu machen.

Gut Ding will Weile haben, oder auch nicht

Wichtig finde ich dabei, sich für dieses „besondere Quiz“ Zeit zu nehmen. Es müssen ja nicht alle Fragen an einem Tag, oder innerhalb einer Stunde (wie im Fernsehen), geklärt bzw. beantwortet werden. Dazu zwingt einen ja niemand außer man selbst, richtig? Und manche Antworten benötigen halt einige Zeit.

Manchmal nützt es mir allerdings auch, mich selbst an die Kandare zu nehmen und nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen, damit das Ganze nicht ewig dahin plätschert. Die Gefahr besteht nämlich auch. Aber da vertraue ich meiner Intuition, wann was richtig ist, wann die lange Leine vorteilhaft, und wann die kurze Leine notwendig ist.

Auch habe ich die Erfahrung gemacht, wie gut es ist, sich ganz in Ruhe hinzusetzen, und die Fragen, und die dazugehörigen Antworten, aufzuschreiben. Das Ausformulieren der Fragen, und insbesondere der Antworten, hilft nämlich ebenfalls, auf den tatsächlichen Grund zu kommen, weil man sich konkret und direkt damit beschäftigt.
Andersherum kann es aber auch nützlich sein, die Antworten spontan und ungefiltert aufzuschreiben, also einfach das, was einem dazu in den Sinn kommt. Denn das offenbart meist mehr als gewählte, durch längeres Überlegen notierte Antworten. Da spricht dann sozusagen das Herz bzw. das Unterbewusstsein.

Welche Form man wählt, hängt von der Situation ab und dem „Problem“, das zu Grunde liegt. Da empfehle ich, einfach dem eigenen Instinkt zu folgen.

Ich bin nicht allein damit

Sagt dir der Name Byron Katie etwas?
Mir zu Anfang auch nicht. Doch in einem Vortrag von Robert Betz  auf YouTube (welcher das jetzt genau war, weiß ich leider gerade nicht) erwähnte er jene Dame und ihre Methode The Work, und ich habe mich mal näher mir ihr und ihrem Schaffen befasst.

Byron Katie zeigt uns mit The Work, wie man althergebrachte Glaubenssätze und Überzeugungen überprüfen kann, und zwar mit dem Ziel, diese zu erkennen und zu verändern. Und der Kern ihrer Methode sind vier Fragen (und zwei davon W-Fragen  😉 ).

Im Internet fand ich zum Beispiel auch die Seite Impulse, eine Webseite für Unternehmer, und dort den Artikel Ziele Erreichen, in dem fünf Fragen vorgestellt werden, und siehe da, alles W-Fragen 😉 .

Die Freiwillige Feuerwehr Escheburg nennt auf ihrer Seite die fünf W-Fragen, wenn es darum Feuer geht, eine Feuermeldung abzugeben.

Die Seite W-Fragen-Tool hat eine Liste mit W-Fragen aufgestellt, die noch breiter gefächert ist als meine, und eine Erklärung dazu geliefert. Ist zwar eigentlich für Autoren und Texter gedacht, aber das ändert ja nichts an der Intension der W-Fragen, oder?

Schon allein diese kleine Auflistung zeigt, wie nützlich die W-Fragen sind.

Probiere es doch einfach mal aus! Es schadet nicht, versprochen  😉 .